Selbst-Erhaltungstherapie (SET)

Die Selbsterhaltungstherapie wurde aus der Neuropsychologie speziell für Alzheimer-Kranke entwickelt. Unter dem „Selbst“ eines Menschen versteht man in der psychologischen Fachsprache alles, was einem Menschen das Gefühl gibt, „er selbst“ zu sein, das heißt, eine eigene beständige Identität zu besitzen.

Zu diesem Gefühl, „man selbst zu sein“, gehört unter anderem

 

  • das Wissen über die eigene Vergangenheit – wer war ich vor einem  Jahr, vor zehn Jahren, wer sind meine Eltern, welchen Beruf habe ich gelernt.
  • das Wissen über sich selbst in der Gegenwart – welche Stärken und Schwächen habe ich, wer sind meine Freunde und meine Familie, welche Ziele habe ich.
  • das Bewusstsein über Fähigkeiten, die wir uns im Lauf des Lebens aneignen.

 

Die Gesamtheit der Erfahrungen und das Wissen über uns selbst geben uns
das Gefühl, „ich bin ich selbst“.

Das „Selbst“ eines Menschen ist grundlegend, um Erfahrungen einordnen
zu können, sich zu entwickeln, sich anzupassen, Entscheidungen zu treffen,
sich zu orientieren und vieles andere mehr. Geht dieses Bewusstsein über die
eigene Identität verloren, fühlen wir uns bedroht, verworren, ängstlich oder
werden möglicherweise depressiv.

Alzheimer-Kranke geraten immer wieder in Situationen, in denen sie nicht
mehr recht wissen, wer sie sind, das heißt, sie sind sich ihrer Identität nicht
mehr sicher. Ihr Identitätsgefühl wird brüchig.



Wie kann die Therapie angewandt werden?

Für Vertrautheit und Beständigkeit in der Umgebung sorgen, eine Tagesstruktur
herstellen, sich an der Biografie des Kranken orientieren.
Anlegen von Gedächtnishilfen zur eigenen Biografie.

Für bedeutsame, kleine wertvolle Erlebnisse sorgen z.B. anregende Begegnungen, körperliche Zuwendung, wie eine Umarmung, ein Spaziergang, ein Friseurbesuch.

Vereinfachungen im Alltag, Vertrauen, Zuversicht und Sicherheit vermitteln,
Sinngefühl für das Lebensgeschehen erhalten, sich in die Sichtweisen und
Empfindungswelten der Kranken einfühlen, sie erkennen und unterstützen.